The Diaries by Penny Fox

Einleitung

Nun könnte man annehmen, dass ich das sage, weil ich das Glück habe, super privilegiert und total abgesichert zu sein.

Daher stellt sich vielleicht die Frage, ob meine Lage überhaupt prekär genug ist, um das nötige Verständnis für Menschen in schwierigen Situationen zu haben. Ich würde meinen ich bin im klassischen Mittelfeld. Auf der eine Seite arbeitslos ohne Rücklagen, auf der anderen Seite Kinder- und Partnerlos und trage somit nur Verantwortung für mich selbst.

Genau wie Matthias Horx bin auch ich der Meinung dass es von nun an ein Leben vor und nach Corona gibt.

Mein Leben davor:

Seit ca. 1,5 Jahren arbeite ich für Miete, Essen, Betriebskosten, diverse Versicherungen, öffentliche Verkehrsmittel und ein Elektroboot auf der alten Donau 20h in einer Lungenfacharztpraxis. Das mit dem Elektroboot ist seit Beginn eine meiner blöderen Ideen. Ich liebe es sehr, kann es mir aber überhaupt nicht leisten. Aber egal.

Den Rest der Zeit investiere ich in meinen gemeinnützigen Verein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, welchen ich vor ca. 1 Jahr gegründet habe. Hauptsächlich setzen wir uns hier für Müllvermeidung bei Veranstaltungen ein.

Um in diesem Bereich noch mehr zu bewirken, war der Plan, mich bis Ende März für das Unternehmensgründerprogramm beim AMS zu bewerben. Ich habe Aschenbecher und Mülleimer Lösungen für Veranstaltungen und Veranstaltungsbetriebe entwickelt und wollte für die Produktion in Österreich eine Förderung beantragen. Daher habe ich mich ab Februar arbeitslos gemeldet, um mich voll und ganz dieser Aufgabe zu widmen.

Allerdings habe ich weder im Januar noch im Februar die dafür nötige Energie verspürt. Ganz im Gegenteil sogar. Ich war wie gelähmt, nur müde und antriebslos. Meine Liste wurde immer länger, der Druck größer und die selbst auferlegten Sanktionen strenger.

Meine sonst regelmäßigen Ausflüge in die Natur habe ich aufgrund des Arbeitspensums ersatzlos gestrichen und sie mir wie die Karotte vor den Esel als Belohnung für erledigte Aufgaben vor die Nase gebunden. Doch auch dies hat nicht geholfen und die schwarze Wolke im Kopf wurde immer schwärzer. Statt meine Liste abzuarbeiten, Konzepte zu schreiben, Förderanträge auszufüllen, die Webseite anzupassen, Müllfragebögen zu erstellen, Veranstaltungsbetriebe anzuschreiben und den Vertrieb des „Ballot Bin“ (ein Aschenbecher bei welchem man mit Stummeln abstimmt) anzukurbeln, saß ich da und träumte von schneebedeckten Wäldern in der Ramsau. Ich war so unglücklich und kurz davor alles hinzuschmeißen.

Am 9.3.20 hat sich dann alles geändert.

Katrin Hartmann hat auf FB die Veröffentlichung ihres neuen Buches („Grüner wird’s nicht“) gepostet und am nächsten Tag bin ich seit langem mal wieder in eine Buchhandlung, um schnellstmöglich an dieses Werk zu kommen. Ich bin der größte Fan ihrer Arbeiten und konnte es kaum erwarten den Nachfolger „der Grünen Lüge“ in Händen zu halten. Ich war topmotiviert endlich mal wieder ein Buch zu lesen. Leider war dieses noch nicht erhältlich und ich schon wieder auf dem Weg zum Ausgang. Dort bin ich über das „6 Minuten Tagebuch“ gestolpert. Es geht um Positive Psychologie, Dankbarkeit und wie man sich diese Dinge zu nutzen macht. Da Theorie und Praxis bekanntlich zwei paar Stiefel sind, ist das Schreiben in dieses Tagebuch (3 min. am Morgen u. 3 min. am Abend) ein effektives und praktisches Werkzeug für mehr Glück(see)lichkeit. Sagt zumindest der Autor Dominik Spenst. Immerhin gibt es einen langen Anhang mit vielen Quellenangaben und somit wollte ich der Sache mal eine Chance geben.

Bereits das Lesen der Einleitung war beflügelnd. Alle Ansätze der Positiven Psychologie sind total sinnig und absolut logisch. Die Wichtigkeit von guten Gewohnheiten zur Entlastung der Willenskraft einleuchtend und das Fokussieren auf die positiven Dinge des Tages gut für die Stimmung.

Am 12.03.20 konnte ich mit dem Schreiben beginnen und am 14.03.20 bin ich mit zwei Freunden in die Berge. Dort ist der Knoten endgültig geplatzt und ich habe endlich erkannt, dass Natur nie ein „Goodie“ für fleißiges Arbeiten sein kann. Ich dachte, ich muss zuerst meinen Kram erledigen und darf dann als Belohnung in die Natur. Aber eigentlich ist es genau umgekehrt. Ich muss in die Natur und auf den Berg, um dort die nötige Energie für meine Arbeit und Projekte zu bekommen.

Natur ist mein Motor und ich habe dies echt spät erkannt.

Topmotiviert habe ich mich auf meine Aufgaben in Wien gefreut und 2 Tage später war alles anders.

Alle Veranstaltungsbetriebe wurden gesperrt und die Betreiber standen von heute auf morgen vor existenziellen Herausforderungen. Nicht die beste Zeit Aschenbecher zu promoten und ein Business rund um Festivals, Partys und Events aufzubauen.

Zum Glück war ich bereits beim AMS und hatte als Arbeitskraft in einer Arztpraxis sogar noch meine geringfügige Beschäftigung. Meine Wohnung kann ich mir nicht alleine leisten und bin daher immer auf eine/n Mitbewohner/in oder Kurzzeit Gäste angewiesen. Hier ist leider ungewiss, ob Ivan, mein jetziger WG Partner doch früher als geplant zurück nach Zagreb geht. Einen Nachfolger werde ich so schnell nicht finden und meine sporadische Stamm Mitbewohnerin Dora steckt derweil in Ungarn fest. Somit kann es sein, dass ich mir ab April meine Wohnung nicht mehr leisten kann. Vorsichtshalber habe ich dies gestern schon mal bei meinen Vermieter platziert.

D.h. momentan kann ich mir die Miete, hochwertiges Bio Essen und Kurzurlaube in die Berge noch leisten. Ich verzichte schon seit Jahren freiwillig auf unnötigen Konsum und war schon immer gern allein daheim. Ich habe weder Garten, Terrasse oder Balkon, dafür die Lobau und die Donau direkt vor der Tür.

Persönlichen Kontakt habe ich mit meinem Mitbewohner Ivan und meinem guten Freund Franky. Meine Familie ist in Deutschland und es geht allen gut.

Von der Arztpraxis bin ich gerade beurlaubt (bei fortlaufender Zahlung), da ich im Fall einer Quarantäne meiner Kolleg/innen den Minimalbetrieb der Praxis aufrechterhalten sollte.

Heißt: Ich habe Zeit und erstmal gar nicht mal so viele Sorgen. Und diese Zeit möchte ich nun endlich nutzen.

Nicht für Förderanträge, Konzepte und Fragebögen, sondern um dazu beizutragen, dass sich die Menschen um mich herum wohler fühlen und diese Krise auch als Chance wahrnehmen können.

Lasst uns alle fitter, gesünder, belesener, informierter, achtsamer, hilfsbereiter und inspirierter aus dieser Ausnahmesituation herausgehen. Lasst uns endlich das Konzept „Nachbarschaft“ und deren Potenzial wieder aufbauen und etablieren.

Ein Wohnhaus ist ein Schnitt durch viele Schichten der Gesellschaft und der perfekte Raum für (friedlichen) Austausch mit Andersdenkenden. Wenn man will. Und ich für meinen Teil will.

Ich will endlich mein Haus grüner machen, aus meiner Wohnung eine Dauerausstellung zum Thema – nein nicht Unordnung und Chaos – “Zero Waste at Home” kuratieren und wirklich mit Sport und Meditation anfangen.

Und ich möchte Euch dazu inspirieren es mir gleich zu tun! Lasst uns jetzt besinnen. Jetzt die Dinge tun die richtig und wichtig sind. Seneca sagte eins:

„Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen wie man leben soll.“ 

Und Recht hat er!

Und auch wenn die eigenen Sorgen an erster Stelle stehen, können wir alle Raum für eine kleine Aufmerksamkeit oder Nettigkeit machen. Und Dankbar sein. Ganz viel Dankbar sein!

Denn auch in dieser für uns schweren Krise, sind wir jede/r Einzelne noch hochgradig privilegiert.

Foto: Lunzer See, Sieben Grad, Arschbombe

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